Wirkt sich das nahende Ende der Beauftragung der BLB auf die Zuverlässigkeit aus?

Lieber Herr Wick,
ich habe gerade mit Karl die heutige Sitzung besprochen und wir kamen
beim Thema BLB ins Stocken - es vermehren sich Berichte über
Zugausfälle mangels Personal auf der Streicke REI-BGD ... fährt noch
ein IC, sehe gar keine mehr vorbeifahren?
Indidivuell ist ja zu verstehen, dass das Personal in die aktuell große
Vielzahl alternativer Angebote "flieht" - wer weiß, was Ende nächsten
Jahres noch an offenen Stellen angeboten wird?
Wir fragen uns dann doch, müssen wir damit rechnen, dass die
Auslaufphase der BLB komplett mit SEV abgewickelt wird.
Herzliche Grüße
Martin Schön

Kommentare

  • Lieber Herr Schön,

    mit den in Ihrer nachstehenden Email formulierte Sorgen beschäftigt sich auch der Landkreis, weshalb wir uns hierzu an die BEG gewendet haben. Von BEG-Qualitätsmanager Herrn Ziemen erhielten wir am 24.10.19 folgende Informationen:

    "Grundsätzlich erwarten wir, dass die von uns bestellten Verkehrsleistungen vollumfänglich erbracht werden. Aus diesem Grund erhalten die Verkehrsunternehmen von uns bei Zugausfällen kein Bestellerentgelt. Dies gilt selbstverständlich auch für personalbedingte Ausfälle. Wir gehen somit davon aus, dass auf Seiten der BLB ein hohes finanzielles Eigeninteresse besteht, für einen zuverlässigen Betrieb zu sorgen. Wir haben die BLB bereits aufgefordert, uns die aktuelle Personallage sowie die möglichen Auswirkungen auf den Betrieb darzustellen und Maßnahmen zur kurzfristigen Verbesserung der Personalsituation und zur Aufrechterhaltung der vollumfänglichen Verkehrsleistungen zu ergreifen.

    Im Hinblick auf die Ihnen gegenüber von der BLB genannte kritische Personalsituation möchten wir auch anmerken, dass die Personalengpässe bei der BLB kein spezifisches Problem der BLB darstellen, sondern mittlerweile alle Regionen in Deutschland sowie alle Verkehrsunternehmen betreffen. So ist es in den vergangenen Monaten deutschlandweit immer wieder zu Zugausfällen gekommen (etwa aufgrund von vermehrten Krankheitsfällen oder während der Urlaubszeit). Als Beispiele in Bayern in den vergangenen Monaten seien die Ersatzkonzepte bei der Bayerischen Regiobahn oder dem Alex-Süd (Abschnitt Immenstadt – Oberstdorf) genannt. Hintergrund des Lokführermangels ist v. a. die Tatsache, dass der bayerische Arbeitsmarkt infolge einer sehr geringen Arbeitslosenquote sehr angespannt ist. Prognosen weisen dabei auf eine weiterhin sinkende Arbeitslosigkeit hin. Diese schwierigen Rahmenbedingungen stellen alle bayerischen Schienenverkehrsunternehmen derzeit vor große Herausforderungen bei der Personalakquise und Mitarbeiterbindung. Wie bereits erwähnt, betrifft dieses Problem nicht nur den Freistaat Bayern, sondern auch alle anderen Regionen in Deutschland.

    Für den Freistaat Bayern und die BEG hat die Verbesserung der Personalsituation im SPNV höchste Priorität. Der Freistaat Bayern und die BEG engagieren sich deshalb gemeinsam mit den bayerischen Verkehrsunternehmen und der Bundesagentur für Arbeit in regelmäßigen Arbeitsgruppen der „Fachkräfteoffensive Bahn Bayern“, um diesem Problem nachhaltig entgegenzuwirken. Zusätzlich hat die BEG den Fachkräftemangel gemeinsam mit den bayerischen Eisenbahnverkehrsunternehmen intensiv diskutiert und mögliche Lösungen zur Verbesserung der Personalsituation erörtert. Außerdem bedarf es aus Sicht der BEG einer bundesweiten Initiative, um das deutschlandweite Problem des Lokführermangels zu beheben. Der Freistaat Bayern und die BEG haben das Thema daher bereits in verschiedene bundesweite Gremien (z. B. Arbeitskreis Bahnpolitik, Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr) eingebracht, um eine Zusammenarbeit von politischen Akteuren sowie den betroffenen Verkehrsunternehmen auf Bundesebene zu forcieren.

    Unabhängig davon ist die BEG in neuen Ausschreibungsverfahren auch dazu übergegangen, von den Bietern konkrete Ausbildungsquoten und Mindestpersonalreserven zu fordern. Diese Maßnahmen sollen ebenfalls dazu beitragen, dass sich der Personalbestand bei den Verkehrsunternehmen insgesamt erhöht."

    Die von der BEG geschilderte Situation ist natürlich alles andere als befriedigend, aber wir erwarten, dass die von der BEG angeführten Maßnahmen ihre erhoffte Wirkung erzielen werden.

    Zum IC Königssee ist dem Landkreis-Fahrplanheft auf den Seiten 44 und 47 zu entnehmen, dass dieser von April bis Dezember wegen Großbaustellen nicht angeboten werden kann. Ab 09./10.11.19 sollte eine Ersatzleistung zwischen Berchtesgaden und Dortmund verkehren, sofern es zwischenzeitlich keine weiteren z.B. baustellenbedingten Änderungen gegeben hat.

    Beste Grüße

    Johann Wick
    Buero des Landrats - Verkehrsmanagement
  • in einer kleinen Diskussionsrunde fielen uns dazu nun einige Beispiele ein für fehlgeleitete Anreizsysteme.
    Angewandt auf diesen Vertrag - "Aus diesem Grund erhalten die Verkehrsunternehmen von uns bei Zugausfällen kein Bestellerentgelt." kann das dann dazu führen, dass die nur in einer Mischkalkulation erzielte Gesamtrentabilität dazu führt, dass gegen Ende der Vertragslaufzeit 2020 nur noch die rentablen Züge fahren.
    Martin Schön
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