Weniger als die Hälfte der bayerischen Bahnhöfe ist barrierefrei - Aufzüge sind wochenlang kaputt

Die Datenjournalisten des BR haben den Status aller Aufzüge der Deutschen Bahn ein Jahr lang aufgezeichnet. Die Analyse von BR Data zeigt: Defekte Aufzüge an Bahnhöfen sind ein wiederkehrendes Problem für barrierefreies Reisen. Ärgerlich für Mütter mit Kinderwägen, Menschen mit viel Gepäck oder Bahnkunden mit Rad - ein echtes Hindernis für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung.

Viele Aufzüge in Bayern wochenlang defekt

Mehr als 40 Prozent der rund 250 Bahnaufzüge in Bayern fielen im untersuchten Zeitraum von 365 Tagen insgesamt mindestens eine Woche lang aus. Viele sogar deutlich länger: 31 Aufzüge, gut 12 Prozent, waren in dem Zeitraum zusammengerechnet vier Wochen oder länger außer Betrieb - ob am Regensburger Hauptbahnhof, in Hebertshausen oder in Memmingen. Da die wenigsten Bahnsteige zwei Fahrstühle haben, fällt damit für manche Reisende die einzige Möglichkeit, ein Gleis zu erreichen, weg.

Trotz des 2013 von der Staatsregierung gestarteten Zehn-Jahres-Programms "Bayern barrierefrei 2023" sind aktuell von den über 1.000 Bahnhalten in Bayern nur 400 behindertengerecht ausgebaut. 115 weitere sollen in den nächsten Jahren folgen.

Zu den vielen Bahnhöfen, bei denen in naher Zukunft keine Änderung geplant ist, zählt trotz intensiver Bemühungen der Lokalpolitik Kaufbeuren. Die Bahn sieht hier wie andernorts den Bund in der Pflicht - und verweist generell auf ihr Mobilitäts-Servicepersonal. (Informationen dazu unter bahnland-bayern.de). Damit dieses vor Ort tatsächlich bereitsteht, muss es allerdings spätestens einen Tag im Voraus unter der kostenpflichtigen Servicenummer 01806/512512 angefordert werden. Zudem ist der Service nur zu bestimmten Zeiten verfügbar - und mitunter weigern sich Bahnangestellte unter Verweis auf Haftungsfragen zu helfen.

Zu den Daten: Die Deutsche Bahn hat an jedem ihrer gut 2.000 Aufzüge Sensoren installiert, die messen, ob der Aufzug in Betrieb ist oder nicht. Die Bahn stellt die Daten über eine Datenschnittstelle in Echtzeit zur Verfügung. Für die vorliegende Analyse haben die Datenjournalisten des BR die Daten an 365 Tagen zwischen August 2018 und November 2019 alle fünf Minuten abgefragt. Für die Auswertung wurde nur die "kundenrelevante Hauptzeit" der Deutschen Bahn von 6:00 bis 22:00 Uhr berücksichtigt.

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